CABRAS

Das quirlige Fischerdorf Cabras an der Lagune „Stagno di Cabras“ gehört zur vom internationalen Tourismus noch wenig berührten Provinz Oristano. Zur Gemeinde gehören neben dem Dorf selbst auch die ausgedehnte Sinis-Halbinsel mit ihren wunderbaren, weit gehend noch unberührten Stränden.


Der Stagno ist eines der fischreichsten Gewässer Italiens und als Vogelschutzgebiet ein Paradies für Hobby-Ornithologen. Über 150 Vogelarten sind hier zu Hause, einige überwintern hier, viele andere sind nur auf dem Durchzug. Vor allem im Winter und Frühjahr bieten Enten, Blässhühner, Kormorane, Reiher und andere Vögel ein vielstimmiges Konzert mit teilweise akrobatischen Flugeinlagen. Hier lebt noch das Purpurhuhn, hier überwintern und nisten die rosafarbenen Flamingos! Im Frühling kommen die Vögel aus Afrika, u.a. Meerschwalben, Säbelschnäbler, Rotschenkel. 


Im 17. Jahrhundert gehörte der Stagno di Cabras zum Besitz der spanischen Krone, später einer genuesischen Adelsfamilie, die ihn einer Adelsfamilie aus Oristano verkaufte. Die Erben des letzen Besitzers verkauften den Stagno an die sardische Landesregierung, die ihn Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts an die Fischer von Cabras verpachtete. Seitdem wird der Stagno von Fischer-Kooperativen bewirtschaftet. Die früher von den Stagno-Fischern benutzten Binsenboote, Is Fassonis, sieht man heute nur noch bei Festen, die Fischer nutzen inzwischen Motorboote.


Der Stagno prägt auch die Küche der „Crabarissi“, wie sich die Einwohner in ihrem Dialekt nennen. Vor allem die Muggine (Meeräsche), die im salzig-süßen Brackwasser des Stagno heranwachsen, sind die Grundlage für zahlreiche Gerichte.


Die Sinis-Halbinsel war noch bis weit in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Naturparadies. Heute ist es eine weitgehend landwirtschaftlich genutzte und durch die Wochenendhäuser der Crabarissi geprägte Landschaft. Dennoch ist die Halbinsel mit ihren weiten Stränden und Küsten, an denen (noch) keine Hotels zu finden sind, ein angenehmer Kontrast zu den meisten italienischen Küsten. Damit dies noch lange so bleibt, hat die Gemeinde Cabras seit 1997 die Küstengewässer um die Sinis-Halbinsel einschließlich der Insel „Mal di Ventre“ und „il catalano“, einem großen Felsen im offenen Meer, unter Naturschutz gestellt.

Das Dorf Cabras ist relativ groß und bietet deshalb auch Alles was man zum täglichen Leben braucht – Supermärkte, Bäcker, Ambulanz, Apotheken, Bars, Restaurants, Pizzerien und anderes mehr. (Und wenn man etwas nicht findet, ist Oristano nicht weit.)  Sehenswert im Ort sind: Die Renaissance-Kirche Santa Maria an der Piazza Stagno, das Museo Civico (hauptsächlich Funde aus der Nekropole Cuccuru S´Arriu und aus der phönizisch-römischen Stadt Tharros und natürlich die Statuen der am Monte Prama gefundenen „Giganti“ sowie eine Ausstellung zu Kultur, Ökologie, Flora und Fauna des Stagnos) in der Via Tharros, für Weinliebhaber die Azienda Vinicola Attilio Contini. Letztere bietet auch Weinverkostungen an.


Übrigens: Der Name des Dorfes, Cabras, hat nichts mit Ziegen (capre) zu tun, sondern leitet sich ab aus dem römisch-punischen Namen des Ortes, „Caralis“ und dem mittelalterlichen Namen „Crabiliis“ oder „Capriles“.